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Sozialraum als Umweltfaktor

Daten zu dem Handlungsfeld „Sozialraum als Umweltfaktor“

Bewusstseinsbildung - Barrierefreiheit – Information und Beratung


Bitte beachten Sie:

Die Darstellung der Ergebnisse ist ein Entwurf.

Ergänzungen, Änderungen und Korrekturen sind vorbehalten.

Stand: März 2021

1       Einführung

Der Titel dieses Handlungsfeldes umschließt drei grundsätzliche Querschnittsthemen für eine gelingende Teilhabe von Menschen mit Behinderungen:

die Bewusstseinsbildung (Art. 8 UN-BRK), die Barrierefreiheit/Zugänglichkeit (Art. 9 UN-BRK) und der Zugang zu Information und Beratung (Art. 21 UN-BRK).


Die Bewusstseinsbildung und Zugänglichkeit gehören explizit zu den Querschnittsthemen der UN-BRK.

Diese können gemäß der Monitoringstelle zur Umsetzung der UN-BRK sowohl in jedem Handlungsfeld mitgedacht als auch als eigenes Handlungsfeld entwickelt werden.

Da beide Ansätze nicht zu deckungsgleichen Ergebnissen führen würden, wird jedoch als ideale Lösung kein „entweder-oder“, sondern ein „sowohl-als-auch“ empfohlen. (Deutsches Institut für Menschenrechte / Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention 2020)

Dieser Empfehlung wird hier Rechnung getragen.


Der Zugang zu Information und Beratung gehört nicht zu den Querschnittsthemen der UN-BRK.

Dieses Thema soll hier aufgenommen werden, da in zahlreichen Artikeln der UN-BRK der Zugang zu Information und Beratung aufgegriffen wird (Bspw. Art. 16, Art. 21, Art. 27, Art. 28) und sie in Bezug auf die Bewusstseinsbildung und Zugänglichkeit von zentraler Bedeutung scheinen.

Das 2016 verabschiedete Bundesteilhabegesetz hat darüber hinaus konsequent Regelungen für eine verbesserte Information und Beratung von Menschen mit Behinderungen aufgenommen:

Das Wissen über die eigenen Rechte und Möglichkeiten ist zentrale Grundlage, um diese auch wahrzunehmen und einzufordern.


Eine Analyse der Protokolle der bereits stattgefundenen fünf Workshops verdeutlicht die Bedeutung dieser drei Querschnittsthemen. Allein in den ersten fünf Workshops wurden die drei Bereiche 145-mal aufgegriffen (Abb.1):


Abbildung 1: Nennung der Querschnittsthemen in den bisherigen Workshops


Quelle: Protokolle Saarland-inklusiv, Auswertung transfer


In Bezug auf den Sozialraum als Umweltfaktor können die drei Querschnittsbereiche möglicherweise als ein einziger Bereich mit verschiedenen Dimensionen betrachtet werden:

Fragen des Zugangs zu Information und Beratung sind häufig auch mit dem Überwinden von (baulichen, digitalen oder einstellungsbedingten) Barrieren verknüpft, Fragen des Abbaus von Barrieren oft mit Themen der Bewusstseinsbildung und diese wiederum (auch) mit dem Wissen über die Situation von Menschen mit Behinderungen.


In den folgenden Kapiteln werden die drei Querschnittsthemen mit Hilfe zentraler Inhalte der UN-BRK, des SBGG und des SGB IX in Verbindung mit ausgewählten Ergebnissen aus den bisherigen Workshops übergreifend dargestellt, in ihren Wechselwirkungen skizziert und systematischer ausgerichtet.

2        Bewusstseinsbildung

Mit dem Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention zur „Bewusstseinsbildung“ verpflichten sich die Vertragsstaaten dazu, sofortige, wirksame und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um in der gesamten Gesellschaft das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen zu schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihrer Würde zu fördern.

Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen sollen bekämpft werden, das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen gefördert.


Die Bewusstseinsbildung wird als besonders förderliches Mittel angesehen, um grundsätzlich die Ziele der UN-BRK zu erreichen: dieses sei oft eine „entscheidende Voraussetzung für die richtige Umsetzung von Maßnahmen, (…) ohne ein angemessenes Verständnis für die Rechte von Menschen mit Behinderungen können viele Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung entfalten.“ (Deutsches Institut für Menschenrechte/Monitoringstelle UN-Behindertenrechtskonvention 2020)


Zwar bestehe ein Zweck des Artikels auch darin, Menschen mit Behinderungen selbst über ihre Rechte aus der Konvention zu informieren und ihr Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten, ihren gesellschaftlichen Beitrag und die ihnen innenwohnende Würde zu stärken, vorrangig richte sich Art. 8 UN-BRK aber auf die „übrigen Teile der Gesellschaft“. (Welke 2012, 119 ff)


Besonderes Augenmerk ist hierbei auf die staatlichen Bediensteten oder kommunale Mitarbeiter*innen zu legen, die an der Förderung, dem Schutz oder der Implementierung der Rechte behinderter Menschen beteiligt sind oder anderweitig in ihrem Tätigkeitsbereich Umgang mit Menschen mit Behinderungen haben.

Darüber hinaus dürfe der private Sektor nicht außer Acht gelassen werden. (ebenda)

Bewusstseinsbildung im Sinne des Art. 8 UN-BRK richtet sich somit sowohl auf die staatlichen Akteure (Innenwirkung) als auch auf die Gesamtgesellschaft (Außenwirkung).


In einem Beispielskatalog werden potenziell geeignete Maßnahmen aufgeführt (Auswahl):

  • längerfristige Kampagnen,
  • die Verankerung von menschenrechtlichen Themen in den Lehr- und Ausbildungsplänen,
  • Schulungsprogramme für unterschiedliche Akteure sowie
  • die Aufforderung der Medien, im Sinne der UN-BRK zu berichten. (ebenda)

Für den zweiten und dritten Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurden von Seiten des Ausschusses insbesondere folgende Punkte bezüglich der Umsetzung des Artikel 8 nachgefragt:

  • Systematische Maßnahmen, um die Anwendung des Übereinkommens zu fördern und Vorurteile und schädliche Stereotype gegen Menschen mit Behinderungen zu bekämpfen, insbesondere bei allen öffentlichen Behörden und Entscheidungsträgern, einschließlich von Rechtsvollzugsbeamt*innen, den Medien und Akteuren im Bildungssystem

Im Saarland wurden in den verschiedenen Handlungsfeldern unterschiedliche Aktivitäten mit Bezug zur „Bewusstseinsbildung“ aufgeführt (Auswahl):

  • Verankerung inklusiver Inhalte in der Lehreraus- und -fortbildung
  • Saarländischer Inklusionspreis „Chancen für Alle im Arbeitsleben“
  • Werbekampagne für das Integrationsamt
  • Kampagnen „mobisaar“ und „Reisen für Alle“
  • Jährliches Sommerfest der Inklusion
  • Schulungen zu barrierefreien Dokumenten, dem Einsatz leichter Sprache
  • Polizeirichtlinie zur häuslichen Gewalt beinhaltet die Thematik „Gewaltbetroffene mit Behinderungen“
  • Angebote des Saarländischen Rundfunks

Im Saarland gibt es verschiedene Akteure, deren Aufgaben (auch) im Bereich der (öffentlichkeitswirksamen) Bewusstseinsbildung liegen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Focal Point – staatliche Anlaufstelle zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
  • Teilhabe- und Inklusionsbeauftragte des Saarlandes
  • Beauftragte und Beiräte für die Belange behinderter Menschen (ausführliche Beschreibung siehe Handlungsfeld politische und rechtliche Teilhabe)
  • Landesfachstelle Demenz
  • Tourismuszentrale Saarland / Netzwerk Hören

Im Rahmen der Workshops zu den Handlungsfeldern wurde der Querschnittsbereich „Bewusstseinsbildung“ bislang 39mal thematisiert (Abb.2), wovon mit Abstand die meisten Verweise sich auf das Handlungsfeld Bildung, Erziehung und Betreuung bezogen:


Abbildung 2: Verweise zum Querschnittsbereich „Bewusstseinsbildung“ im Rahmen der bisher stattgefundenen Workshops

Quelle: Protokolle Saarland inklusiv, Auswertung transfer


Im Sinne der oben skizzierten Innen- bzw. Außenwirkung der Bewusstseinsbildung lassen sich die Ergebnisse der bisherigen Workshops wie folgt zusammenfassen:


Bewusstseinsbildung bei Akteuren staatlichen Handelns und/oder bei Akteuren, die im beruflichen Kontext direkt mit Menschen mit Behinderungen zu tun haben:


Die Berichte und Anforderungen aus den Workshops bezogen sich einmal auf ein fehlendes starkes politisches Bekenntnis zur Inklusion und Umsetzung der UN-BRK, insbesondere im schulischen Bereich.

Zum anderen wurde in verschiedenen Kontexten das fehlende Verständnis für die individuelle Situation von Menschen mit Behinderungen bei Entscheidungsträgern angemerkt, welches sich beispielsweise bei der Antragstellung von Rehabilitationsleistungen oder im Kontext der individuellen Bedarfsermittlung bemerkbar mache:

es werde eher pauschal bewertet, ohne die spezifischen Anforderungen zu berücksichtigen.

Bei anderen Fachkräften, bspw. im medizinischen und therapeutischen Kontext, wurde von eher defizitorientierten Sichtweisen gegenüber den Menschen mit Behinderungen berichtet.

Bei nicht sichtbaren Behinderungen sei das Verständnis für die Beeinträchtigungen weniger vorhanden.


Gesamtgesellschaftliche Bewusstseinsbildung:

Berichtet wurde von Vorurteilen gegenüber den Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen bspw. von Seiten potentieller Arbeitgeber, über Ärzt*innen und Pflegekräfte. Diese würden die besondere Situation von Menschen mit Behinderungen nicht berücksichtigen, Vermieter*innen, die Sorge haben, wie Menschen mit Behinderungen ihre Miete bezahlen oder Bauherr*innen, die sich zu wenig Gedanken über Barrierefreiheit machen.

Gleiches gelte bei vielen Veranstaltern oder Gewerbetreibenden.

Auch hier wurde auf die nicht oder weniger sichtbaren Behinderungen hingewiesen: insbesondere für diesen Personenkreis fehle es an Respekt und Akzeptanz.

3        Barrierefreiheit

Der Artikel 9 zur „Zugänglichkeit“ verpflichtet die Vertragsstaaten darauf, Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.

Hierunter zählen unter anderem der gleichberechtigte Zugang zur physischen Umwelt als auch zu Information und Kommunikation.

Als wichtigste allgemeine Rechtsquelle für Pflichten zur Zugänglichkeit und Barrierefreiheit werden die Behindertengleichstellungsgesetze angesehen. (Welti in: Welke 2012)


Entsprechend § 3 des SBGG gelten als barrierefrei bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.


Das SBGG beinhaltet davon ausgehend sowohl Regelungen zur baulichen Barrierefreiheit (§ 8), als auch zur kommunikativen (§ 6; § 9 -§ 11) und digitalen Zugänglichkeit (§ 12 - § 13).


Für den zweiten und dritten Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurden von Seiten des Ausschusses insbesondere folgende Punkte bezüglich der Umsetzung des Artikel 9 nachgefragt:

  • Maßnahmen, Strategien und wirksame Abhilfen zur Sicherstellung der Zugänglichkeit von Einrichtungen und Dienstleistungen in allen Bereichen durch den Grundsatz des Universellen Designs auf der Grundlage angemessener Vorkehrungen. Weiter nachgefragt wurde nach:
    • Vorgesehenen Mitteln
    • Maßnahmen für den Zugang zu digitalen Diensten
    • Unternommenen Schritten, um die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Anbietern zu beseitigen (Art. 9)

Insgesamt 45-mal wurde im Rahmen der bisherigen Workshops der Querschnittsbereich „Barrierefreiheit“ thematisiert, wenn es darum ging, Fortschritte in den Handlungsfeldern zu erzielen (Abb.3):


Abbildung 3: Verweise zum Querschnittsbereich „Barrierefreiheit“ im Rahmen der bisher stattgefundenen Workshops


Quelle: Protokolle Saarland- inklusiv, Auswertung transfer


Im Sinne der skizzierten Unterscheidung in bauliche, kommunikative und digitale Zugänglichkeit lassen sich die Ergebnisse der bisherigen Workshops wie folgt zusammenfassen:


Räumliche/Bauliche Barrierefreiheit

Die räumliche Barrierefreiheit wurde in allen bisherigen Workshops (Ausnahme: Arbeit und Beschäftigung) als zentrale Voraussetzung für eine Teilhabe hervorgehoben.

Seien es nicht barrierefreie Schulen, Arztpraxen, Wohnungen, Restaurants oder Gemeindefeste – bislang werde die Schaffung von Barrierefreiheit nicht systematisch angegangen.

Insbesondere ging es um die Situation von Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen, aber auch fehlende Barrierefreiheit für sinnesbeeinträchtigte Personen oder Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wurde beanstandet, ebenso wie fehlende Raumkonzepte für Menschen mit bspw. Angsterkrankungen oder dementiellen Veränderungen.

Als Adressaten zur Schaffung räumlicher Barrierefreiheit wurden insbesondere politische Entscheidungsträger, aber auch private bzw. gewerbliche Akteure gesehen.

Bei letzteren Adressaten wurde ein deutlicher Querverweis zu Kapitel 2 und Kapitel 4 sichtbar.


Kommunikative Barrierefreiheit

In Bezug auf die kommunikative Barrierefreiheit wurden insbesondere die leichte Sprache oder individuelle Kommunikationsformen sowie Gebärdensprache erwähnt – diese müssten stärker berücksichtigt werden, inhaltlicher Bezug wurde insbesondere auf die Bewusstseinsbildung (Kapitel 2) und die kommunikative Zugänglichkeit von Informationen (Kapitel 4) genommen.


Digitale Barrierefreiheit wurde insbesondere im Hinblick auf zugängliche Informationen in allen bisherigen Workshops thematisiert.

In weiten Teilen wurde in der Digitalisierung eine Chance für mehr Teilhabe gesehen, zwingende Notwendigkeit sei aber eine barrierefreie Gestaltung der Homepages oder Apps.

So könnten bspw. Anbieter von barrierefreiem Wohnraum und Interessenten besser zueinanderfinden, der Zugang zu Bildung leichter ermöglicht werden und allgemein wichtige Informationen zugänglicher werden.

Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass digitale Angebote nicht für alle Menschen mit Behinderungen nutzbar seien und an sich eine weitere Barriere darstellen könnten (z.B. wenn auch eine vermeintlich einfach zu bedienende App noch zu schwer sei).

4        Information und Beratung

Der Artikel 21 zum Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, Menschen mit Behinderungen für die Allgemeinheit bestimmte Informationen rechtzeitig und ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten und Technologien zur Verfügung zu stellen und auch private Rechtsträger zur Bereitstellung von Informationen und Dienstleistungen in zugänglichen und nutzbaren Formaten aufzufordern.

Im Umgang mit Behörden sollen neben Gebärdensprache und Brailleschrift alle auch von Menschen mit Behinderungen selbst gewählten Mittel, Formen und Formate der Kommunikation akzeptiert und erleichtert werden.


Für den zweiten und dritten Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurden von Seiten des Ausschusses insbesondere folgende Punkte bezüglich der Umsetzung des Artikel 21 nachgefragt:

  • Strategien und Aktionspläne hinsichtlich der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von öffentlichen Informationen, einschließlich Webseiten, Fernsehen sowie unterschiedlichen öffentlichen, privaten und sozialen Medien sowie die dafür vorgesehenen zeitlichen Vorgaben.

Weiter nachgefragt wurde:

  • Prozentualer Anteil öffentlich ausgestrahlter Fernsehprogramme für Erwachsene und Kinder mit Untertiteln/Gebärdensprache/Audiobeschreibung (Art. 21) (Siehe hierzu den Bericht zum Handlungsfeld politische und rechtliche Teilhabe.)

(Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2019)


Das SGB IX beinhaltet verschiedene Regelungen, welche die Information und Beratung von Menschen mit Behinderungen speziell in Bezug auf die Zugänglichkeit der Rehabilitationsleistungen verbessern sollen.

Adressat der Regelungen sind die Rehabilitationsträger, deren allgemeine Pflichten aus dem SGB I (z.B. Beratungs- und Auskunftspflichten) durch das SGB IX deutlich erweitert werden.


Diese sind verpflichtet:

  • „geeignete barrierefreie Informationsangebote“ bereitstellen. Diese sollen sich auf die Inhalte und Ziele von Leistungen zur Teilhabe, die Möglichkeit des Persönlichen Budgets, das Verfahren zur Inanspruchnahme der Leistungen sowie auf die Angebote von Beratung beziehen. (§ 12 Maßnahmen zur Unterstützung der frühzeitigen Bedarfserkennung)
  • organisationsinterne Ansprechstellen einrichten (ebenda). Diese vermitteln Informationsangebote an Leistungsberechtigte, Arbeitgeber und andere Rehabilitationsträger und sollen einen „wirksameren und effizienteren Informationsaustausch“ sicherstellen

(Deutscher Bundestag 05.09.2016)

§ 25 formuliert Regelungen zur Zusammenarbeit der Rehabilitationsträger.

So sind diese dafür verantwortlich, dass eine Beratung im Sinne der Ziele des SGB IX durchgeführt wird.

Regionale Arbeitsgemeinschaften der Rehabilitationsträger sollen dies unterstützen.


Für die Träger der Eingliederungshilfe wurden in § 106 SGB IX deutlich höhere Anforderungen an Beratung und Unterstützung als bisher formuliert:

So ist die Beratung in einer für den Leistungsberechtigten wahrnehmbaren Form und – so gewünscht – im Beisein einer Vertrauensperson durchzuführen.

Die Inhalte der Beratung werden weit gefasst, hierzu gehört unter anderem eine Beratung zur persönlichen Situation der leistungsberechtigten Person, über die verschiedenen Leistungen, die Verfahrensabläufe und anderes mehr.

Mit Unterstützung des Trägers der Eingliederungshilfe sollen die notwendigen Leistungen zeitnah und erfolgreich in Anspruch genommen werden.


Neben den neuen Informations- und Beratungspflichten der Rehabilitationsträger wurde mit den ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungen EUTB (§ 32 SGB IX) eine weitere Beratungsstelle geschaffen.

Durch die EUTB soll die Position der Menschen mit Behinderungen weiter gestärkt werden – und zwar sowohl gegenüber den Rehabilitationsträgern als auch gegenüber den Leistungserbringern (ebenda).

Die EUTB sind ausschließlich der ratsuchenden Person verpflichtet.

Im Fokus steht die Peer-to-Peer-Beratung.

Im Saarland sind aktuell 14 EUTB verzeichnet. (www.teilhabeberatung.de; letzter Aufruf: 10.03.2021)

Die Arbeit und Wirkung der EUTB werden aktuell evaluiert. Ein Zwischenbericht ist für April 2021, der Abschlussbericht für Ende 2022 angekündigt. (https://www.teilhabeberatung.de/artikel/die-methoden)


Aspekte der Information und Beratung wurden im Rahmen der bisherigen Workshops insgesamt 61-mal thematisiert.


Abbildung 4: Verweise zum Querschnittsbereich „Information und Beratung“ im Rahmen der bisher stattgefundenen Workshops

Quelle: Protokolle Saarland- inklusiv, Auswertung transfer


Information und Beratung für Menschen mit Behinderungen

In Bezug auf Informations- und Beratungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen wurden sowohl Aspekte der Qualität als auch der Unabhängigkeit, der Zugänglichkeit und der Vollständigkeit bzw. der Fülle an Informationen diskutiert.

Fragen der Qualität und Unabhängigkeit wurden überwiegend im Kontext von Beratungen oder Feststellungen zu einer Leistungsgewährung bspw. im schulischen oder beruflichen Bereich gestellt.

Fragen der Zugänglichkeit und der Vollständigkeit wurden überwiegend im Kontext von einfach zu findenden, einfach zu bedienenden und einfach zu verstehenden Informationen gestellt, bspw. in Bezug auf einen guten Überblick über barrierefreien Wohnraum, Fördermöglichkeiten oder über barrierefreie Freizeitangebote oder Sportstätten.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie wurde beanstandet, dass zentrale Informationen erst nach mehrfacher Aufforderung durch Behindertenbeauftragte in Gebärdensprache übersetzt wurden.


Information und Beratung von anderen Akteuren

Während sich Art. 21 ausschließlich auf die Menschen mit Behinderungen bezieht, wurde in den bisherigen Workshops der Bedarf an Information und Beratung auch bei anderen Akteuren gesehen:

Ob dies Ärzte, Schulpsychologen, Vermieter oder Arbeitgeber betreffe, oftmals würden grundlegende Informationen bspw. zu Verfahren, Ansprechpartnern, Fördermitteln oder Kündigungsschutz fehlen.

Es gebe zahlreiches Informationsmaterial oder Checklisten, zum Beispiel für barrierefreie Veranstaltungen.

Diese seien aber oft nicht bekannt.

Man müsse es interessierten Akteuren gerade auch in der Privatwirtschaft einfacher machen, an entsprechende Informationen und Beratungen zu kommen.

5 Ausblick

In Bezug auf den Sozialraum als Umweltfaktor, so wurde deutlich, treten die drei Querschnittsbereiche als verschiedene Dimensionen oder Schwerpunkte innerhalb eines Handlungsfeldes auf.

Die verschiedenen Aspekte sind offenbar auch nicht immer klar voneinander zu trennen:

Themen des Zugangs zu Information sind häufig mit dem Überwinden von (Kommunikations-/ oder Wahrnehmungs-)Barrieren verknüpft (§§7-9, §11 SBGG; §8 UN-BRK); Themen der Bewusstseinsbildung stehen häufig in Zusammenhang mit Informations- und Beratungsnotwendigkeiten (§9 UN-BRK, §20 SBGG) und damit auch wiederum mit dem Überwinden von Barrieren.

Immer dort, wo sich „Bewusstseinsbildung“, „Information und Beratung“ und „Barrierefreiheit“ überschneiden und aufeinander wirken, könnten also mögliche Knackpunkte für weitere Entwicklung zu finden sein:


Information und Beratung, die sich klar auf die UN-BRK verpflichten, können die Öffentlichkeit für mangelnde Barrierefreiheit sensibilisieren, dadurch Hilfe und Unterstützung durch Aufmerksamkeit generieren und damit Bewusstseinsbildung stärken.


Barrierefreiheit kann inklusive (Bildungs-)Einrichtungen, Angebote und öffentliche Räume schaffen, diese wiederum können die Bewusstseinsbildung für eine inklusive Gesellschaft fördern, wenn Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen selbstverständliche, gemeinsame Berührungspunkte haben.


Abbildung 5: Wechselwirkung der Querschnittsbereiche


Quelle: transfer