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Ergänzungen, Änderungen und Korrekturen sind vorbehalten.

Stand: Februar 2021


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1        Gesundheit und Pflege

Artikel 25 Gesundheit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, „(…) alle geeigneten Maßnahmen (zu treffen), um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu geschlechtsspezifischen Gesundheitsdiensten einschließlich gesundheitlicher Rehabilitation haben. (…)“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010) Hierzu zählen insbesondere,

  • dass die Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderung in derselben Bandbreite, derselben Qualität und demselben Standard wie anderen Menschen zur Verfügung stehen,
  • dass Gesundheitsleistungen angeboten werden, die von Menschen mit Behinderungen speziell wegen ihrer Behinderungen benötigt werden,
  • dass die Gesundheitsleistungen so gemeindenah wie möglich angeboten werden,
  • dass die Angehörigen der Gesundheitsberufe auf Grundlage des Bewusstseins für die Menschenrechte, die Würde, Autonomie und die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen diesen eine Versorgung in gleicher Qualität wie anderen Menschen angedeihen lassen. (vergl. ebd.)

Artikel 26 Habilitation und Rehabilitation der UN-Behindertenrechtskonvention beinhaltet die Verpflichtung, in unterschiedlichen Bereichen umfassende Habilitations- und Rehabilitationsdienste und -programme zu „(…) organisieren, stärken und (zu) erweitern“. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010) Diese Programme sollen

  • im frühestmöglichen Stadium einsetzen und auf einer multidisziplinären Bewertung der individuellen Bedürfnisse und Stärken beruhen sowie
  • die Einbeziehung in die Gemeinschaft und die Gesellschaft sowie die Teilhabe daran unterstützen,
  • freiwillig sein und
  • so gemeindenah wie möglich

zur Verfügung stehen.


Darüber hinaus sind die Vertragsstaaten auch hier verpflichtet, die Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden in diesen Einrichtungen zu fördern und unterstützende Geräte und Technologien, für die Zwecke der Habilitation und Rehabilitation zu fördern. (vergl. ebd.)


Im Hinblick auf die Teilhabe im Bereich der Gesundheit und Pflege ist demnach die zentrale Frage, ob Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang haben.

Dieser bezieht sich auf die allgemeinen Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze des Gesundheitswesens ebenso wie auf das Vorhandensein spezifischer Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze im Hinblick auf die besonderen gesundheitlichen und pflegerischen Belange von Menschen mit Behinderungen einschließlich der zur Verfügung Stellung von angemessenen Vorkehrungen als spezifische personenbezogene Hilfsmaßnahmen.

In diesem Kapitel findet eine Annäherung an die Frage des gleichberechtigten Zugangs zu Diensten und Systemen des Gesundheitswesen statt.

Die vorliegenden Daten der Routineberichterstattung können lediglich Hinweise auf das medizinische und pflegerische Geschehen insgesamt geben.

Eine Differenzierung von Patient*innen oder pflegebedürftigen Personen mit und ohne Behinderung ist regelhaft nicht möglich.

In Kapitel 1.2 werden ausgewählte Leistungsdaten der Krankenhäuser, der medizinischen Rehabilitation sowie der Pflegeversicherung im Saarland dargestellt.

Kapitel 1.3 gibt einen Überblick über vorhandene saarländische Dienste des Gesundheitswesens und der Pflege.

Kapitel 1.4 beschäftigt sich mit dem Zugang zu Gesundheits- und Pflegediensten von Menschen mit psychischen Erkrankungen und von Menschen mit Demenz im Saarland.


1.1      Impulse aus dem zweiten und dritten Staatenbericht

Im zweiten und dritten Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurden von Seiten des Ausschusses insbesondere folgende Punkte bezüglich der Umsetzung der Artikel 25 und 26 nachgefragt:

  • Initiativen zur Sicherstellung des erschwinglichen, vollen und gleichen Zugangs zu Gesundheitseinrichtungen, insbesondere im Hinblick auf § 63b Abs. 4 SGB XII
  • Verfügbarkeit von Informationen und gesundheitlicher Aufklärung in allen zugänglichen Formaten
  • Maßnahmen zur Schulung von Gesundheits- und Unterstützungspersonal in Bezug auf den menschenrechtlichen Ansatz
  • Bestehende Schutzmechanismen zur Sicherstellung eines freien und informierten Einverständnisses für medizinische Behandlungen
  • Zugang zur privaten Krankenversicherung für Menschen mit Behinderungen sowie die Deckung von Ausgaben, die mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung in Zusammenhang stehen durch die gesetzliche Krankenversicherung
  • Schutzmechanismen, Strategien und Standards zur Sicherstellung des Zugangs zu Habilitations- und Rehabilitationsdiensten für Menschen mit Behinderungen – über ihr gesamtes Leben hinweg und ungeachtet der Wohnformen

(Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2019)

Die Antworten der Bundesregierung können in dem Staatenbericht nachvollzogen werden, die Prüfung durch den Ausschuss der Vereinten Nationen wird voraussichtlich Ende 2021/Anfang 2022 stattfinden.


1.2 Zugang zu Leistungen der Gesundheit und Pflege

1.2.1 Zugang zu Krankenhausbehandlungen

Mit der jährlich erhobenen Krankenhausstatistik lässt sich u.a. die Entwicklung der vollstationären Fallzahlen (entlassene Personen inkl. Sterbefälle und Stundenfälle) abbilden, zudem können anhand der Diagnosestatistik die Häufigkeiten medizinischer Diagnosen, die hauptsächlich für einen Krankenhausaufenthalt verantwortlich waren („Hauptdiagnose“), nachvollzogen werden.

In den 24 saarländischen Krankenhäusern wurde im Jahr 2018 eine Fallzahl von insgesamt 289.366 Patientinnen und Patienten (entlassene Personen inkl. Sterbefälle und Stundenfälle) erfasst, 44 Prozent davon waren Kurzlieger mit einem Aufenthalt von ein bis drei Tagen.

Die Fallzahl hat sich von 2012 bis 2016 um rund sieben Prozent erhöht und ist seitdem wieder leicht gesunken.

Die Geschlechterverteilung blieb im Zeitverlauf konstant, in allen Jahren waren rund 52 Prozent der entlassenen Fälle weiblich, rund 48 Prozent waren männlich.


Abbildung 1 Krankenhausstatistik: Fallzahlen im Saarland (Behandlungsort)



Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Gesundheitliche Beeinträchtigungen, die einen stationären Krankenhausaufenthalt erforderlich machen, nehmen im Alter zu. So lag die Fallzahl in der Altersgruppe der 65 Jahre und älteren Menschen im Saarland zuletzt bei etwa 55.000 Fällen je 100.000 Einwohner dieser Altersgruppe, während bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre die altersspezifische Fallzahl bei rund 17.000 Fällen je 100.000 Einwohner liegt.

Insgesamt lagen die saarländischen Fallzahlen je 100.000 Einwohner in allen Altersgruppen über den gesamtdeutschen Vergleichswerten.



Für das Jahr 2018 weist die Statistik bundesweit 274.037 Entlassungen (inkl. Sterbefälle und Stundenfälle) von Personen mit einem Wohnsitz im Saarland aus; 2012 lag die Fallzahl um knapp 12.000 Fälle niedriger bei 262.166.

Für diese Fälle wurden im Folgenden die Angaben zu den Hauptdiagnosen ausgewertet.

Die mit Abstand häufigste Ursache für einen stationären Krankenhausaufenthalt waren Erkrankungen des Kreislaufsystems, dies betraf in den beiden vergleichend dargestellten Jahren jeweils rund 42.000 Fälle.

Zugenommen haben die Fallzahlen insbesondere in den ICD10-Diagnosegruppen „Krankheiten des Verdauungssystems“ (+ 2.073 Fälle gegenüber 2012), „Krankheiten des Atmungssystems“ (+ 1.794 Fälle) sowie „Neubildungen“ (+1.514 Fälle).

Die Fallzahl in der Gruppe der „Psychischen und Verhaltensstörungen“ lag 2018 um 1.194 Fälle niedriger als noch im Jahr 2012.


Abbildung 2 Krankenhausstatistik: Häufigste ICD10-Diagnosegruppen mit Fallzahlen (2012 und 2018)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung transfer

Die Verweildauer der saarländischen Krankenhauspatient*innen lag 2018 im Schnitt bei sieben Tagen, bundesweit waren es 7,2 Tage.

Entlassene Fälle mit Hauptdiagnosen der Gruppe ICD10 F00-F99 Psychische und Verhaltensstörungen hatten dabei die mit Abstand die längste durchschnittliche Verweildauer, diese lag mit zuletzt 18,8 Tagen aber immer noch unter der bundesweiten Verweildauer von 22,5 Tage.


1.2.2 Zugang zur medizinischen Rehabilitation

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation haben die Zielsetzung

  • Behinderungen einschließlich chronischer Krankheiten abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen, eine Verschlimmerung zu verhüten oder
  • Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern, eine Verschlimmerung zu verhüten sowie den vorzeitigen Bezug von Sozialleistungen zu vermeiden oder laufende Sozialleistungen zu mindern. (§42 SGB IX)

Kennzeichen der medizinischen Rehabilitation ist „(..) ihr ganzheitlich-integrativer und damit komplexer Behandlungsansatz“ sowie die Festlegung individueller Rehabilitationsziele.[1] (Bundesarbeitsgemeinschaft f. Rehabilitation e.V. 2018, S. 198)


Die Inanspruchnahme von Leistungen medizinischer Rehabilitation setzt voraus, dass Rehabilitationsbedürftigkeit besteht , Rehabilitationsfähigkeit vorliegt und eine positive Rehabilitationsprognose gestellt werden kann.

  • Rehabilitationsbedürftigkeit bezüglich medizinischer Rehabilitation liegt vor, wenn Beeinträchtigungen bzw. Schädigungen der Körperfunktionen bzw. Strukturen sowie der Leistungsfähigkeit in den Lebensbereichen der ICF vorliegen und diese unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren zu einer Beeinträchtigung gesellschaftlicher Teilhabe führen oder zu führen drohen.
  • Der Begriff der Rehabilitationsfähigkeit bezieht sich auf die somatische und/oder psychische Belastbarkeit des behinderten Patienten im Hinblick auf die Durchführung der Rehabilitationsmaßnahme.
  • Eine Rehabilitationsprognose beinhaltet die medizinisch begründete Wahrscheinlichkeitsaussage, dass die Rehabilitationsziele mit den interdisziplinär erbrachten Rehabilitationsleistungen voraussichtlich erreicht werden können (Bundesarbeitsgemeinschaft f. Rehabilitation e.V. 2018, Seite 536).

Rehabilitationsträger für die Leistungen der medizinischen Rehabilitation sind nach § 6 SGB IX die gesetzliche Rentenversicherung, die gesetzliche Krankenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung, die Träger der Kriegsopferversorgung und -fürsorge sowie die Jugendhilfe und die Eingliederungshilfe. Leistungsdaten der Träger medizinischer Rehabilitation liegen überwiegend nur auf Bundesebene vor.


Zu den Leistungen medizinischer Rehabilitation liegen unterschiedliche Datenquellen vor.

Im Rahmen der Krankenhausstatistik werden Daten bei den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen erhoben und im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes veröffentlicht.

Die Veröffentlichung beinhaltet Angaben zu den Fallzahlen von Vorsorge – und Rehabilitationseinrichtungen mit mehr als 100 Betten; Angebote und Leistungen ambulanter Rehabilitation sind darin nicht enthalten.

Für die Vorsorge – und Rehabilitationseinrichtungen (mit mehr als 100 Betten) sind Auswertungen sowohl auf Ebene des Bundes als auch auf Ebene des Saarlandes möglich. Dies ermöglicht die Suche von Abweichungen der Rehabilitationssituation von Gesamtdeutschland und dem Saarland.


Neben der vorgenannten Statistik halten die einzelnen Leistungsträger Angaben vor. Im Einzelnen sind dies

  • die Rehabilitationsstatistik der Deutschen Rentenversicherung. Diese Statistik für die Leistungen im Zuständigkeitsbereich der DRV können sowohl auf Bundesebene als auch auf der Ebene des Saarlandes ausgewertet werden.
  • die Sozialhilfestatistik für die Leistungen medizinischer Rehabilitation im Rahmen der Eingliederungshilfe im Saarland und auf Ebene des Bundes und
  • die Kinder – und Jugendhilfestatistik für die Leistungen medizinischer Rehabilitation für Kinder bzw. Jugendliche mit einer seelischen Störung im Saarland und auf der Ebene des Bundes

Angaben zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung liegen für die Ebene des Bundes vor; Datenquellen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung für Versicherte aus dem Saarland konnten für den vorliegenden Bericht nicht erschlossen werden.

Ebenso verhält es sich mit den Daten der Unfallversicherungsträger und der Träger der Kriegsopferversorgung und -fürsorge.

Dies ist insofern bedauerlich, als beispielsweise Beschäftigte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung keinen Anspruch auf Leistungen der medizinisch/beruflichen Rehabilitation zulasten der Rentenversicherung haben, jedoch Leistungen der medizinischen Rehabilitation in Zuständigkeit der Krankenversicherung in Anspruch nehmen könnten.

Erfahrungsgemäß sind Beschäftigte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung und in Tagesstätten bzw. Tagesfördergruppen in Maßnahmen medizinischer Rehabilitation unterrepräsentiert; eine valide Datenbasis hierzu steht nach vorliegenden Kenntnissen nicht zur Verfügung.


1.2.2.1       Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen

In der Krankenhausstatistik sind Angaben zu den Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen nach § 107 Abs. 2 SGB V enthalten.

Dargestellt werden die Fälle mit Wohnsitz im Saarland, unabhängig von dem Ort der Rehabilitation.

Zum ambulanten Rehabilitationsgeschehen liegen auf Ebene des Saarlandes keine Daten vor.

Nach der KG 5 Statistik, welche die bundesweiten Daten der medizinischen Rehabilitation der gesetzlichen Krankenkassen insgesamt abbildet, wurden im Jahr 2018 88 Prozent aller Rehabilitationsmaßnahmen stationär, 12 Prozent ambulant durchgeführt.


Im Jahr 2018 wurden insgesamt 20.401 Fälle von Personen mit Wohnsitz im Saarland in den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen gezählt.

Dies waren 1.350 Fälle weniger als im Jahr 2012.

Rund 40 Prozent der Fälle bezogen sich in den beiden Vergleichsjahren auf Personen über 65 Jahren, 56 Prozent auf Personen zwischen 15 und 65 Jahren, rund 4 Prozent auf die Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren.


Bezogen auf die Einwohnerzahl gleicht sich das stationäre Rehabilitationsgeschehen im Saarland den Entwicklungen in Deutschland an.

Gab es in 2012 im Saarland noch 1,56 Fälle je 1.000 Einwohner*innen mehr als in Deutschland, waren es 2018 nur noch 0,67 Fälle mehr.

Dies hatte seine Ursache darin, dass für Rehabilitanden aus dem Saarland zwischen 2012 und 2018 je 1.000 EW 1,28 Rehabilitationsmaßnahmen weniger durchgeführt wurden.

Auf Bundesebene betrug der Rückgang 0,39 Rehabilitationsmaßnahmen je 1.000 EW.

Ob mit dem Rückgang der stationären Rehabilitationsmaßnahmen ein Anstieg an ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen verbunden war, kann auf der Grundlage des vorliegenden Datenmaterials nicht ausgesagt werden.


Die vorgenannte Veränderung verteilt sich unterschiedlich auf die einzelnen Altersgruppen.

Im Jahr 2019 erhielten 714 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren eine medizinische Rehabilitation (2012: 804), in der Altersgruppe 15 bis 65 Jahre gab es 11.434 Fälle (2012: 12.461) und in der Altersgruppe der über 65 Jährigen 8.249 Fälle (2012:8479).


In der Altersgruppe der unter 15-Jährigen vergrößert sich der Abstand zwischen den Fallzahlen im Saarland und der BRD:

Im Jahr 2012 lag er in dieser Altersgruppe aus Sicht des Saarlandes bei -1,3 Fälle je 1.000 altersgleiche Einwohner*innen, 2018 sind es -1,69 Fälle.

Gleichzeitig ist der nachfolgenden Grafik zu entnehmen, dass der relativ geringeren Anzahl von Rehabilitationsmaßnahmen von unter 15-Jährigen eine höhere Anzahl von Rehabilitationsmaßnahmen bei Rehabilitanden im Alter von 65 Jahren und älter gegenüberstand.


Abbildung 3: Abweichungen SL-BRD, stationäre Rehabilitationsfälle je 1.000 altersgleiche EW


Quelle: Krankenhausstatistik, 2018, Berechnung und Darstellung transfer


Anders als bei den Krankenbehandlungen (vergleiche Abbildung 2, oben) stehen im Bereich der medizinischen Rehabilitation Krankheiten des Kreislaufsystems nicht an erster Stelle der Häufigkeiten.

Am häufigsten werden Maßnahmen medizinischer Rehabilitation wegen Krankheiten des Muskel – Skelettsystems in Anspruch genommen (30,8%), gefolgt von Krankheiten des Kreislaufsystems (20,4%).

An dritter Stelle stehen psychische und Verhaltensstörungen (14,9%), welche bei den Krankenhausbehandlungen am wenigsten häufig aufgetreten sind, an vierter Stelle die Neubildungen (9,8%).


Untenstehende Abbildung zeigt die Entwicklung dieser vier Diagnosegruppen je 1.000 EW im Vergleich Saarland- Deutschland für die Jahre 2012 bis 2018.

Die Diagnosegruppen der Krankheiten des Kreislaufsystems liegen auch im Jahr 2018 mit 1,33 Fällen je 1.000 EW deutlich über den Fallzahlen Deutschlands.


Abbildung 4: Vergleich der Rehabilitationsmaßnahmen in den 4 häufigsten Diagnosegruppen je 1.000 EW Saarland - Deutschland 2012 - 2018


Quelle: Krankenhausstatistik, Berechnung und Darstellung transfer


In den vier häufigsten Diagnosegruppen ist auch altersbezogen eine unterschiedliche Inanspruchnahme der Leistungen festzustellen.

Die Fallzahl mit Diagnosen im F00-F99- Bereich liegen je 1.000 altersgleiche Einwohner*innen im Saarland 0,43 Fälle unter den Fallzahlen in Deutschland, während Fälle mit Krankheiten des Kreislaufsystems insbesondere bei den 65 Jährigen und Älteren deutlich über den anteiligen Fällen in Deutschland liegen (+3,16 je 1.000 altersgleiche EW).


Abbildung 5: Vergleich der Rehabilitationsmaßnahmen Saarland-Deutschland 2018 in den häufigsten Diagnosegruppen nach Alter


Quelle: Krankenhausstatistik, Berechnung und Darstellung transfer

1.2.2.2 Deutsche Rentenversicherung

Durch die Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung soll ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verhindert sowie die dauerhafte berufliche Wiedereingliederung ermöglicht werden.

Hierzu werden auch Leistungen der medizinischen Rehabilitation für die Versicherten erbracht, die die entsprechenden persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen. (Bundesarbeitsgemeinschaft f. Rehabilitation e.V. 2018, S. 415)


Im Jahr 2019 schlossen insgesamt 12.388 Personen mit Wohnsitz im Saarland 12.698 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und sonstige Leistungen zur Teilhabe der Deutschen Rentenversicherung ab.

Das bedeutet, dass einige Personen zwei oder mehrere Leistungen in Anspruch genommen haben.

2012 waren es 12.125 Personen mit 12.588 Leistungen.

In beiden Vergleichsjahren wurden 51 Prozent der Leistungen von Männern abgeschlossen, dies entspricht exakt dem Anteil der männlich Versicherten.

Die Versicherten hatten zu 95 (2019) bzw. 96 Prozent (2012) die deutsche Staatsangehörigkeit.


Untenstehende Abbildung zeigt die Verteilung nach Altersgruppen.

Während es bei den Rehabilitanden in den unteren Altersgruppen bis unter 40 Jahren keine größeren Unterschiede in den Vergleichsjahren gab, haben die Anteile der über 55-jährigen Rehabilitanden 2019 im Vergleich zu 2012 deutlich zugenommen.


Abbildung 6: Rehabilitationsfälle der DRV Wohnsitz Saarland nach Altersgruppen, 2012 und 2019


Quelle: DRV, Berechnung und Darstellung transfer


Bei der anteiligen Verteilung der Maßnahmearten gibt es zwischen den beiden Vergleichsjahren keine größeren Unterschiede.

7.961 der Fälle erhielten im Jahr 2019 normale Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (63%; 2012: 62%), 2.344 normale Leistungen wegen psychiatrischer Krankheiten (18%; 2012:17%).

Die Rehabilitation psychisch Kranker (RPK) wurde 2019 21 mal in Anspruch genommen (0,2%; 2012:0,2%), Entwöhnungsbehandlungen wegen verschiedener Abhängigkeiten 721 mal (6 %; 2012: 7%).

In Bezug auf die Anzahl der aktiv Versicherten der DRV wurden 2019 im Saarland mehr Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und sonstige Leistungen zur Teilhabe erbracht als in Deutschland.

Je 1.000 Versicherter wurden im Saarland insgesamt 29 Maßnahmen durchgeführt, bezogen auf die BRD 26,9 Maßnahmen.

Für die normale Leistung wegen Psychiatrischer Krankheiten ist die größte positive Abweichung von 1,2 Fällen je 1.000 Versicherter festzustellen.

Ca-Reha-Leistungen wurden dagegen im Saarland anteilig etwas weniger häufig in Anspruch genommen (-0,3).


Abbildung 7: Vergleich der Rehabilitationsmaßnahmen Saarland-Deutschland 2019 nach Maßnahmearten der DRV je 1.000 aktiv Versicherter

Quelle: DRV, Berechnung und Darstellung transfer


Im Jahr 2019 wurden die meisten Leistungen im Saarland aufgrund von Krankheiten des Muskel-, Skelettsystems und des Bindegewebes in Anspruch genommen (4.869 Fälle), gefolgt von psychischen Erkrankungen ohne Sucht (2.468 Fälle) und Neubildungen (1.690 Fälle).

Die in der Statistik der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtung mit 20,4 Prozent an zweiter Stelle kommenden Krankheiten des Kreislaufsystems sind bei den Fällen der DRV mit 1.390 Fällen an vierter Stelle angesiedelt.


Abbildung 8: Rehabilitationsfälle DRV nach den vier häufigsten Diagnosegrundgruppen, 2019

Quelle: DRV, Berechnung und Darstellung transfer


Für rehabilitationsbedürftige Kinder von Versicherten kann die sogenannte Kinderrehabilitation der DRV in Frage kommen.

Im Jahr 2019 wurden 328 Leistungen der Kinderrehabilitation im Saarland abgeschlossen, im Jahr 2012 waren es 255 Fälle.


In Bezug auf die Anzahl der Versicherten waren dies im Jahr 2019 0,75 Fälle je 1.000 Versicherter, deutschlandweit waren es 0,85 Fälle.


Die am häufigsten zugrundeliegende Diagnose war mit 25 Prozent Asthma bronchiale (2012: 27%), gefolgt von psychischen und Verhaltensstörungen mit 18 Prozent (2012:17%) und Adipositas und sonstige Überernährung mit 17 Prozent (2012: 16%).

Die Verteilung dieser drei häufigsten Diagnosegruppen weicht deutlich von der bundesweiten Verteilung bei der Kinderrehabilitation ab, wie die untenstehende Abbildung zeigt.


Abbildung 9: Verteilung der Diagnosegrundgruppen bei der Kinderrehabilitation, SL und BRD, 2019

Quelle: DRV, Berechnung und Darstellung transfer

1.2.3 Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung

„Pflegebedürftig […] sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.

Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate […] bestehen.“ (§ 14 Abs. 1 SGB XI)


Anhand der seit 1999 zweijährig geführten Pflegestatistik lässt sich die Zahl der pflegebedürftigen Personen im Saarland insgesamt und nach Art der Versorgung nachvollziehen.


Zum Jahresende 2009 gab es im Saarland rund 30.000 Pflegebedürftige; ein Jahrzehnt später zum Jahresende 2019 liegt die Zahl bei gut 55.000 - dies entspricht einem Anstieg um 82 Prozent.

Zu beachten ist, dass sich dies nicht nur auf den demografischen Wandel, sondern auch auf die Anpassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und damit einem anderen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung zurückzuführen ist.

Von den 55.318 Pflegebedürftigen im Saarland waren knapp zwei Drittel weiblich, 37 Prozent waren männlich.


Abbildung 10: Pflegebedürftige im Saarland 2009 - 2019

Quelle: Stat. Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Damit waren Ende 2019 5,6 Prozent der saarländischen Bevölkerung pflegebedürftig, bundesweit lag die Pflegequote bei 5 Prozent.

Wie viele der Pflegebedürftigen zugleich eine nach SGB IX festgestellte Behinderung haben, kann anhand der geführten Statistiken nicht nachvollzogen werden.

Mit 37.875 Personen waren gut 68 % der Pflegebedürftigen 75 Jahre oder älter.

7.088 Personen waren zwischen 65 – und 75 Jahre (13%), 5.810 Personen zwischen 45 – 65 Jahre alt (11%).

In der Altersgruppe der unter 20 Jahren erhielten 2.374 Personen Pflegeleistungen, in der Altersgruppe der 20 – 45 jährigen, 2.171 Personen (jeweils knapp 4%).


Abbildung 11 Pflegebedürftige nach Altersgruppen (2019)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung transfer


Untenstehende Abbildung zeigt die Anzahl der pflegebedürftigen Personen je 1.000 altersgleiche Einwohner*innen im Saarland und in Deutschland im Vergleich.

Demnach wies das Saarland in allen Altersgruppen eine höhere Anzahl pflegebedürftiger Personen auf als in Deutschland.


Abbildung 12: Pflegebedürftige Personen je 1.000 altersgleiche Einwohner*innen, SL – D, 31.12.2019

Quelle: Stat. Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Am häufigsten wiesen die pflegebedürftigen Menschen eine Pflegebedürftigkeit im Sinne des Pflegegrads 2 auf:

44 Prozent hatten demnach „erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“ (§ 15 Abs. 3 SGB XI).

Rund fünf Prozent aller Pflegebedürftigen bzw. knapp 3.000 Personen waren dem höchsten Pflegegrad 5 zugeordnet, mit dem „schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ (ebd.) verbunden sind.



Die Art der Versorgung gibt zugleich Auskunft über den Ort der Pflege.

43.454 Personen wurden in der eigenen Häuslichkeit gepflegt (79%), 11.405 in der vollstationären Dauerpflege (21%).

Bei den Personen, die ambulante Pflege erhielten, nahmen knapp 30.000 Personen ausschließlich Pflegegeld in Anspruch, knapp 11.000 Personen wurden von einem ambulanten Pflegedienst gepflegt.

3.132 in der eigenen Wohnung lebende Personen hatten den Pflegegrad 1.

Diesen Personen stehen kein Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu, dafür aber verschiedene einmalige oder monatliche Geldleistungen bspw. für eine Wohnraumanpassung, für Betreuungs- und Entlastungsleistungen oder ein Wohngruppenzuschuss.


Abbildung 13 Pflegebedürftige nach Art der Versorgung zum Jahresende 2019

Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die Zunahme an pflegebedürftigen Personen sich insbesondere bei den Pflegegeldempfänger*innen niederschlägt.

Nahmen im Jahr 2009 noch 14.354 Personen diese Leistung in Anspruch sind es 2019 über 29.000 Personen gewesen (+105%).

Bei der vollstationären Dauerpflege gab es einen Anstieg von 24%, bei den Pflegebedürftigen mit ambulantem Pflegedienst 63%.


Abbildung 14 Pflegebedürftige nach Leistungsarten im Zeitverlauf

Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Im Vergleich zu der Pflegesituation in Deutschland gibt es im Saarland über alle Leistungsarten hinweg höhere Pflegequoten – mit Ausnahme der ambulanten Pflege.

Hier werden je 100.000 Einwohner etwas weniger Personen gepflegt.



In Bezug auf die vollstationäre Dauerpflege ist festzustellen, dass im Saarland bis auf die 75 Jährigen und Älteren jeweils ein höherer Anteil der Pflegebedürftigen diese Art der Pflege in Anspruch nimmt.

So liegt der Anteil der 20 bis 44 jährigen in der vollstationären Dauerpflege mit 6% im Saarland doppelt so hoch wie in Deutschland.


Abbildung 15: Anteil an vollstationärer Dauerpflege in den Altersgruppen, SL – D, 31.12.2019

Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


In absoluten Zahlen bedeutet dass, das 20 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren, 131 Erwachsene zwischen 20 bis 44 Jahren und 1.124 Erwachsene zwischen 45 bis 64 Jahren in einer Einrichtung der vollstationären Dauerpflege versorgt werden.

1.3 Dienste des Gesundheitswesens und der Pflege

Mit den folgenden Kapiteln wird ein kurzer Überblick der im Saarland zur Verfügung stehenden Einrichtungen des Gesundheitswesens gegeben.


1.3.1 Ärztliche Versorgung im Saarland

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland (KV Saarland) waren 2018 insgesamt 2.078 Ärztinnen und Ärzte an der haus- und fachärztlichen Versorgung beteiligt.

36 Prozent waren der Arztgruppe der Hausärzte zugeordnet, 50 Prozent waren Fachärzte, weitere 14 Prozent entfielen auf Psychotherapeuten.

Das Portal der KV Saarland ermöglicht eine Arztsuche, welche auch Angaben zu Merkmalen der Barrierefreiheit beinhaltet.

Die Angaben beruhen auf freiwilligen Meldungen der Ärzte, einige Kriterien zu den Merkmalen sind in dem Fragebogen hinterlegt und beziehen sich auf die DIN 18040-1. (https://www.kvsaarland.de/docu…4c-4b69-89e2-e002ea6b0ab3, letzter Aufruf 05.02.2021)


Die abgefragten Merkmale zur Barrierefreiheit sind

  • Stufenloser Eingang/Zugang (Vorgaben zu Türbreite, Türschwellen, Rampen u.a.m.)
  • Behindertenparkplatz (Vorgabe zur Stellfläche)
  • Barrierefreier Aufzug (Vorgabe zu den Maßen und Bewegungsflächen)
  • Untersuchungsmöbel (höhenverstellbar)
  • Sanitäranlagen (Vorgabe zu Bewegungsflächen, Höhe der Sanitäranlagen und Türbreite)
  • Umkleidekabinen (mind. 150x150 cm)
  • Treppen (beidseitiger Handlauf, Stufenvorderkantenmarkierung)
  • Orientierungshilfen für Sehbehinderte (taktile Bodenelemente, markierte Treppenstufen, kontrastreiche Glasflächen u.a.m.)

Insgesamt sind in der Arztsuche 2.104 im Saarland tätige Ärzte gelistet (Stand: 05.02.2021).

Für landesweit sechs Ärztinnen und Ärzte in drei Praxen wird angegeben, dass dort alle sechs Merkmale der Barrierefreiheit erfüllt sind.

In der folgenden Tabelle wird dargestellt wie viele Ärztinnen und Ärzte zu den einzelnen Merkmalen der Barrierefreiheit ausgewiesen werden.




Mit Blick auf die Fachgebiete Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Psychotherapeuten wurde zusammengestellt, wie viele Ärztinnen und Ärzte in einer weitestgehend räumlich barrierefreien Praxis praktizieren.

Hierfür wurden die Aspekte „stufenloser Eingang/Zugang“, „Untersuchungsmöbel“ und „Sanitäranlagen“ betrachtet.

Es zeigt sich, dass Menschen, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung auf einen stufenlosen Zugang zu einer Praxis angewiesen sind, zahlenmäßig weniger Auswahlmöglichkeiten bei der Arztwahl haben als Menschen ohne eine solche Beeinträchtigung.

Wer dazu barrierefreie Untersuchungsmöbel und Sanitäranlagen benötigt, ist in seiner Arztwahl noch deutlicher eingeschränkt.

So sind bspw. nur 21 von 415 verzeichneten Allgemeinmedizinern in einer Praxis tätig, die alle der drei ausgewählten Merkmale der Barrierefreiheit erfüllt.


Abbildung 16 Ärztinnen und Ärzte nach Fachgebiet und Barrierefreiheit in den Praxen, Stand 05.02.2021


Quelle: KV Saarland, Darstellung transfer


Orientierungshilfen für Sehbehinderte wurden von 48 der 2.104 im KV-Portal gelisteten Ärztinnen und Ärzte angegeben; darunter sind sechs Allgemeinmediziner*innen, vier Kinder- und Jugendmediziner*innen, vier Ärztinnen und Ärzte im Fachgebiet der Frauenheilkunde sowie eine psychotherapeutische Praxis.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Saarland bietet auf ihrer Homepage auch die Funktion „Zahnarztsuche“ an, wobei ebenfalls verschiedene Kategorien der (ausschließlich) räumlichen Barrierefreiheit in der Suche berücksichtigt werden können.

Insgesamt ließen sich 490 gelistete Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen allgemeine Zahnmedizin, Kieferchirurgie, Kieferorthopädie und Oralchirurgie ermitteln, nicht zu allen lagen Angaben zur Barrierefreiheit in den jeweiligen Praxen vor.

Im Folgenden ist jeweils die Zahl der Ärztinnen und Ärzte angegeben, die zu den einzelnen Kriterien der Barrierefreiheit ausgewiesen wird:


1.3.2 Krankenhäuser

Das Gutachten zur Vorbereitung des Saarländischen Krankenhausplans 2018 – 2015 bietet eine Übersicht über die Angebotsstruktur im Saarland. (Christian Roßbach u.a. 2017)


Zum 01.01.2017 sind 22 Krankenhäuser an 25 Standorten mit 6.366 Betten für die akutstationäre somatische und psychiatrische/psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung verzeichnet.

Zudem gab es in 28 Tageskliniken 426 tagesklinische Plätze, 58% hiervon für die Psychiatrie/Psychotherapie (vgl. ebd.).

Für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen werden im somatischen Bereich vier pädiatrische Fachabteilungen mit künftig 202 Planbetten und eine Tagesklinik mit fünf Plätzen sowie drei kinderchirurgische Abteilungen bzw. Schwerpunkte mit insgesamt 25 Betten vorgehalten.

Darüber hinaus gibt es ein sozialpädiatrisches Zentrum mit 30 Betten. Am Universitätsklinikum werden je 14 Betten für die Kinderkardiologie und die Kinderonkologie vorgehalten.

Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es nach einer Anpassung ab dem Jahr 2015 nun 71 Betten und 73 Plätze, der neue Krankenhausplan sieht eine weitere Anhebung der Kapazitäten vor.

Hier konstatiert der Plan eine nicht ausreichende ambulante wohnortnahe Versorgung und plant eine weitere Tagesklinik zur besseren Versorgung im nördlichen und mittleren Saarland. (Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland 2018, S. 124)

Die aktuelle Krankenhausstatistik weist für das Jahr 2018 insgesamt 24 Krankenhäuser mit 6.752 Betten im Saarland aus.

Die gesamte Bettenkapazität je 100.000 Einwohner liegt mit 680 Betten über der Anzahl in Deutschland mit 601 Betten.


1.3.3 Besondere Gesundheitsdienste für Menschen mit Behinderung

Nach § 35 SGB IX können in den Ländern „(…) Landesärzte bestellt werden, die über besondere Erfahrungen in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Menschen verfügen.


Die Landesärzte haben insbesondere folgende Aufgaben:

1. Gutachten für die Landesbehörden, die für das Gesundheitswesen, die Sozialhilfe und Eingliederungshilfe zuständig sind, sowie für die zuständigen Träger der Sozialhilfe und Eingliederungshilfe in besonders schwierig gelagerten Einzelfällen oder in Fällen von grundsätzlicher Bedeutung zu erstatten,

2. die für das Gesundheitswesen zuständigen obersten Landesbehörden beim Erstellen von Konzeptionen, Situations- und Bedarfsanalysen und bei der Landesplanung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen zu beraten und zu unterstützen sowie selbst entsprechende Initiativen zu ergreifen und

3. die für das Gesundheitswesen zuständigen Landesbehörden über Art und Ursachen von Behinderungen und notwendige Hilfen sowie über den Erfolg von Leistungen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen regelmäßig zu unterrichten.“


Im Saarland gibt es seit vielen Jahren Landesärzte

  • für Menschen mit körperlichen Behinderungen,
  • für blinde Menschen bzw. Menschen mit Sehbehinderungen,
  • für Erwachsene mit geistiger oder seelischer Behinderung,
  • für Kinder mit geistiger oder seelischer Behinderung sowie
  • für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen.

2019 wurde eine weitere Landesärztin, die Landesärztin für Menschen mit Demenz, berufen. (Landesfachstelle Demenz Saarland 2019)


Das SGB V beinhaltet Regelungen zu speziellen Versorgungangeboten für ausgewählte Zielgruppen, bei denen ein erschwerter Zugang zu allgemeinen Versorgungsangeboten bzw. ein spezialisierter Behandlungsbedarf angenommen werden kann. Hierzu gehören unter anderem

  • Psychiatrische Institutsambulanzen (§ 118):

    Diese sind auf die Behandlung der Versicherten auszurichten, die „wegen Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung oder wegen zu großer Entfernung zu geeigneten Ärzten auf die Behandlung durch diese Krankenhäuser angewiesen sind.“ (§ 118 SGB V)

    Im Saarland wurde für das Jahr 2017 eine Institutsambulanzen für die Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie sowie vier Institutsambulanzen für die Psychiatrie/Psychotherapie ausgewiesen. (Christian Roßbach u.a. 2017, S. 350 u. 391)

  • Sozialpädiatrische Zentren (§ 119):

    „Die Behandlung durch sozialpädiatrische Zentren ist auf diejenigen Kinder auszurichten, die wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Krankheit oder einer drohenden Krankheit nicht von geeigneten Ärzten oder in geeigneten Frühförderstellen behandelt werden können. Die Zentren sollen mit den Ärzten und Frühförderstellen eng zusammenarbeiten.“ (§ 119 SGB V)

    Im Saarland gibt es ein Sozialpädiatrisches Zentrum in der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof. Die Bettenkapazität wurde zum 01. Januar 2019 um 10 Betten auf 30 Betten erhöht. (Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland 2018, S. 204)

  • Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) (§ 119 c SGB V):

    „Die Behandlung durch medizinische Behandlungszentren ist auf diejenigen Erwachsenen auszurichten, die wegen der Art, Schwere oder Komplexität ihrer Behinderung auf die ambulante Behandlung in diesen Einrichtungen angewiesen sind.“ (§ 119c SGB V)

    Für das Saarland ist zum Berichtszeitpunkt kein MZEB aufgeführt. (www.bagmzeb.de, letzter Aufruf 10.01.2021)

1.3.4 Pflegerische Infrastruktur

In Bezug auf die pflegerische Infrastruktur ist seit 2009 ein Anstieg sowohl bei den Einrichtungen und Diensten als auch bei den Pflegeplätzen festzustellen.

2009 gab es in 137 voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen 11.182 vollstationäre Plätze in der Dauerpflege und 460 Plätze für die Tagespflege.

2019 sind 197 Pflegeeinrichtungen mit 12.687 Dauerpflegeplätzen (+13%) und 1.111 Tagespflegeplätzen (142%) zu verzeichnen.

Die Zahl der ambulanten Pflegedienste hat sich von 114 Diensten im Jahr 2009 auf 124 Dienste im Jahr 2019 erhöht.


Abbildung 17 Pflegedienste und Einrichtungen im Saarland im Zeitverlauf

Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung und Darstellung transfer


Acht Pflegestützpunkte beraten im Saarland pflegebedürftige Personen und Angehörige.



Literaturverzeichnis


BMAS (Hg.) (2020): Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (Teilhabestärkungsgesetz). Referentenentwurf des BMAS, zuletzt geprüft am 05.01.2021.


Bundesarbeitsgemeinschaft f. Rehabilitation e.V. (2018): Rehabilitation. Vom Antrag bis zur Nachsorge - für Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten und andere Gesundheitsberufe. Berlin: Springer (Springer Reference Medizin).


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2010): Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung.


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2019): Zweiter und dritter Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, zuletzt geprüft am 21.01.2020.


Christian Roßbach u.a. (2017): Gutachten zur Vorbereitung des Saarländischen Krankenhausplans 2018 - 2015 für das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, zuletzt geprüft am 10.02.2021.


Landesfachstelle Demenz Saarland (Hg.) (2019): Demenzinfo Saarland, zuletzt geprüft am 04.02.2021.


Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland (Hg.) (2018): Krankenhausplan für das Saarland 2018 bis 2025, zuletzt geprüft am 04.02.2021.


Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland (Hg.) (2020): Wegweiser zu psychiatrischen Angeboten für Erwachsene im Saarland, zuletzt geprüft am 11.02.2021.